Britta Madeleine Woitschig
Das einzige Buch zum „Brandon Teena“-Fall: Aphrodite Jones: All She Wanted
1996 erschien im Buchkonzern Simon & Schuster das Taschenbuch All She Wanted, inzwischen in der 7. Auflage. Verfasst wurde es von Aphrodite Jones (und ihren sechs Ghostwritern), die für mehrere Pulp-Taschenbücher über „wahre Verbrechen“ verantwortlich ist (darunter die Bestseller Cruel Sacrifice und The FBI Killer). Wie üblich verweist die Autorin auf ihr Studium der 7000 Aktenseiten, „die Wahrheit“ und scheint auf den ersten Blick, auf Brandons Seite zu sein (ihm ist das Buch denn auch gewidmet). An den entscheidenden Stellen aber vergreift sie gehörig im Tonfall; so heißt es bei dem Überfall im Badezimmer wörtlich (Übersetzung von mir): „Tom hielt die Hände, während John die Hosen und alles andere herunterzog, und die beiden sahen genau, was sie da unten hatte, die verlogene Zicke.“ (210)
Brandon bleibt nicht der einzige Transgender, über den sich Jones lustig macht, Leslie Feinberg und die Gruppe Transsexual Menace werden ebenfalls verspottet (290-295); die Transgenderbewegung erscheint als lächerliche Fußnote, während Jones’ Interesse den Mördern, v. a. Lotter, gilt.
Spätestens sobald der Film All She Wanted in Deutschland anläuft, wird wohl die Übersetzung in sämtlichen Buchläden liegen und für die nächsten Jahre (oder gar Jahrzehnte) die Vorstellungen von Frau-zu-Mann-Transgendern entscheidend beeinflußen. – ’tschuldigung: nach diesem Schund gibt es ja solche Menschen nicht, sondern nur verklemmte lesbische Cross-Dresser! Wer will, mag das mit Fortschritt verwechseln, ich nicht.