Britta Madeleine Woitschig
The Brandon Teena Story
USA 1998, von Susan Muska & Gréta Ólafsdóttir, 90 min
Muska und Ólafsdóttir rekonstruieren in The Brandon Teena Story eine Reihe von Verbrechen in der amerikanischen Provinz, in deren Mittelpunkt Brandon Teena steht. In der zweiten TS-AK-Rubrik ([HaJo] 05/96, S. 29) skizzierte ich den Ablauf, der mit der „Entdeckung“ des Sheriffs Laux bei Verkehrdelikten begann, daß Brandon laut Paß ja eigentlich „weiblich“ sei, und dann innerhalb weniger Tage, vom Weihnachtstag 1993 bis zur folgenden Silvesternacht, von einer mehrfachen Vergewaltigung bis zum mehrfachen Mord eskalierte, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Die Täter John Lotter und Thomas Nissen stammten beide aus seinem Bekanntenkeis, kein Wunder, geschah der Gewaltexzeß doch in bäuerlichen Provinzkaffs mit 4000 bzw. gut 1000 Einwohnern.
In ihrem Film, der erfreulicherweise auf eingesprochene Kommentare verzichtet, verdichten die Autorinnen die Atmosphäre der Gewalt, die sich hinter der spießig-selbstzufriedenen Fassade verbirgt. Brandons Transgender-Verhalten, das sich keiner Rolle unterordnete, wurde von seinen FreundInnen und Bekannten als Verrat empfunden, und so wundert es nicht, daß Lotter und Nissen selbst Jahre nach ihrer Verurteilung (Lotter wurde zum Tode verurteilt) keine Reue verspüren. Daß sie im Gegenteil stolz darauf sind, ihre Warnung brutal in die Tat umgesetzt zu haben, hat mir eine Gänsehaut über den Körper laufen lassen.
Der zweite Gruselfaktor war der Ex-Sheriff Charles B. Laux, dessen Protokolle zeigen, wie Brandon ein zweites Mal durch die brachiale Inquisition zum Opfer wird. Übrigens hat mich dieser Einbruch in die Intimsphäre eines verletzten Menschen stark an die gängige Gutachtenpraxis erinnert.
Lohnt sich!
Am 24. Oktober [1998] lief der Film (Originalfassung) im Rahmen der 9. Lesbisch-Schwulen Filmtage Hamburg um 13:00 Uhr im Metropolis