Britta Madeleine Woitschig
Vorsichtige Fortschritte?
Transsexuelle in Film und Fernsehen: Neue Ansätze
Zeichnet sich da ein Trend ab? Oder ist es außer mir jemandem anders aufgefallen? Die altbekannten Pfade mit den Holzhammerklischees scheinen ausgetrampelt. Sind platte Komödien und voyeuristische Dokumentarfilme, in denen sich auf Kosten der Transsexuellen amüsiert wird, endlich vom Tisch? Das wäre zu schön, um wahr zu sein: Die Behandlung des Themas hat sich seit ungefähr 1996 um eine Variante bereichert, die Transsexuelle ebenso ernstnimmt wie andere Figuren.
Nach den Talkshows haben die Fernsehserien das Thema (meist in einer abgeschlossenen Folge) mehr oder minder kritisch abgehandelt: Beverly Hills 90210, Chicago Hope („Risiko und Wirkung“), Picket Fences – Tatort Gartenzaun („Wo ist Dein Bruder?“) und Geschichten aus der Gruft („Mit den Augen einer Frau“) seien hier als Beispiele genannt, die in den letzten zwei Jahren mindestens einmal über die deutschen Bildschirme geflimmert sind. Zwar dienen diese Figuren, immer nur transsexuelle Frauen (warum?) meist nur dazu, das konservativ-reaktionäre Ehemodell oder die romantische Heterobeziehung zu exerzieren, aber sie werden nicht mehr bis zur Lächerlichkeit überzeichnet. Dass sie trotz Aussehens bei ihren potentiellen Partnern Ängste und Panikattacken auslösen, lässt sich lesen als: Sie sind zwar bindungswillig und suchen auch eine Beziehung; dass ihr Vorhaben scheitert, liegt letztlich an der Verklemmtheit ihrer Liebespartner. Es sind nicht mehr die Transsexuellen, die leid tun sollen, sondern die transphoben (weil homophoben!) Partner! – Die Posse um die Erbschaft einer alten englischen Adelsfamilie in der Gruselserie Geschichten aus der Gruft weist in meiner Lesart sogar subversive Züge auf (ein Betriebsunfall oder mehr?).
Im Kino, besonders abseits der Hollywood-Produktionen, liefen in dieser Zeit Filme an, die mehr als die Soaps wagten: Different for Girls – Der kleine Unterschied, Ma vie en rose – Mein Leben in Rosarot sowie Kitchen aus Europa und Asien. Besonders Yim-Hos Verfilmung von Banana Yoshimotos Roman Kitchen verblüfft durch eine Souveränität, die die Fesseln biederer Verklemmtheit sprengt und so das Thema von drohender Pathologisierung befreit. Bei den europäischen Produktionen haben Transsexuelle (Der kleine Unterschied) oder waren direkt am Drehbuch beteiligt (der transsexuelle Mann [sic!] Chris van der Stappen bei Mein Leben in Rosarot). Beweise dafür, dass es auch anders geht.
Ein Hinweis auf einen angemessenen Umgang scheint das Nicht-Zeigen von Operationen u. ä. zu sein; alle genannten Filme verzichten darauf.