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Publikationen
Aktion Transsexualität und Menschenrecht e. V.

Das eigene Geschlecht ist ein Menschenrecht
8 Punkte

02.12.2008
  1. TSG-Gutachterverfahren weg
  2. Anerkennung des Geschlechts ab Outing
  3. Wissenschaft statt Ideologien
  4. Recht auf notwendige Medizin
  5. Schutz vor Diskriminierung
  6. Mehr Mitsprache bei Medien
  7. Bessere Vernetzung der Initiativen und bessere finanzielle Unterstützung für Selbsthilfegruppen
  8. Transsexuelle Menschen vertreten sich selbst und lassen sich nicht durch Dritte vertreten

Das eigene Geschlecht ist ein Menschenrecht

„Alle Menschen sind frei und gleich an Rechten und Würde geboren“

(Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte)

Zur Würde eines Menschen gehört auch das eigene Geschlecht. Respekt vor dem, was ein Mensch ist, schließt auch den Respekt vor seinem eigentlichen Geschlecht mit ein. In Deutschland bis heute nicht. Es existieren mit dem Transsexuellengesetz und den so genannten „Standards of Care“ Verfahren, in welchen Menschen sich zu identitätsgestörten Menschen erklären müssen, wenn sie ein anderes Geschlecht besitzen, als ihre Genitalien. Da diese Verfahren die Geschlechtsidentität transsexueller Menschen nicht umfassend respektieren, verstoßen sie in der Folge gegen internationales Menschenrecht.

Daher fordern wir:

  1. TSG-Gutachterverfahren weg

    Anhand unwissenschaftlicher, subjektiver Kriterien über die rechtliche Existenz eines Menschen zu entscheiden ist ein Widerspruch zum Selbstbestimmungsrecht. Daher plädieren wir für eine Abschaffung des TSG-Gutachterverfahrens und sind für ein Antragsverfahren, bei dem jeder Mensch zum Zeitpunkt seiner Wahl selbstbestimmt über seinen Geschlechtseintrag entscheiden kann.

  2. Anerkennung des Geschlechts ab Outing

    Wir fordern eine Respektierung der Würde des Menschen – und damit die Respektierung der geschlechtlichen Identität eines jeden Menschen während und nach den medizinischen und rechtlichen Verfahren. Wir setzen uns für ein echte und vollständige Anerkennung der geschlechtlichen Identität als Teil der Menschenwürde von Anfang an ein.

  3. Wissenschaft statt Ideologien

    Gerade in Deutschland sollten Ideologien nicht schwerer wiegen, als die Menschenwürde. Kein körperliches Merkmal ist zu 100 % geschlechtsbestimmend, sondern kann nur Hinweis sein, auf das eigentliches Geschlecht eines Menschen. Wir fordern eine Anerkennung dieser wissenschaftlichen Tatsachen: Transsexuelle als Geistesgestörte (F64.0 und GIS) ab zu stempeln und damit viel Geld zu verdienen ist unwissenschaftlich und verstößt gegen die Menschenwürde.

  4. Recht auf notwendige Medizin

    Transsexuelle Menschen müssen ein Recht auf sämtliche medizinische Leistungen haben, die nötig sind, ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen. Zu einem Recht auf Würde gehört auch, dass von den Krankenkassen und –Versicherungen bessere Operationsmethoden bezahlt werden, auch außerhalb Deutschlands. Es ist Zeit für ein Ende des Klüngels zwischen Kassen und Politik und Krankenhäusern und DGfS, die transsexuellen Menschen immer noch vorspielen, die Methoden in Deutschland wären gut.

  5. Schutz vor Diskriminierung

    Reform des Antidiskriminierungsgesetztes, das die geschlechtliche Identität eines jeden Menschen schützen sollte. Transsexuelle Menschen benötigen einen Kündigungsschutz (AGG ausbauen, Kündigungsschutzgesetze, etc.) und besondere Förderungen durch Arbeitsämter. Transsexuelle Menschen auf Grund ihrer Transsexualität als „nicht vermittelbar“ ein zu stufen, ist eine Verletzung von Menschenrechten und Aberkennung der Würde und Intelligenz transsexueller Menschen.

  6. Mehr Mitsprache bei Medien

    1. Transphobe Berichte sind Menschenrechtsverletzungen. Sie sind beleidigend und müssen geahndet werden können.
    2. In Rundfunk- und Medienräten sollten auch transsexuelle Menschen beteiligt sein, um ihre Interessen zu schützen.

  7. Bessere Vernetzung der Initiativen und finanzielle Unterstützung von Selbsthilfegruppen

    Die Zusammenarbeit aller Initiativen transsexueller Menschen sollten mehr unterstützt und gefördert werden, sowohl durch finanzielle Unterstützung als auch durch Infrastrukturangebote, um so besser für eine breitere Akzeptanz transsexueller Menschen arbeiten und Aufklärung über Transsexualität betreiben zu können. Zur Zeit können Initiativen von anderen Interessengruppen (Politik, DGfS, etc.) gegeneinander ausgespielt werden. So wurde vom Innenministerium behauptet, die Transsexuellen wären sich in ihren Forderungen untereinander uneins, obwohl es in den Kernforderungen viele Gemeinsamkeiten gibt.

  8. Transsexuelle Menschen vertreten sich selbst und lassen sich nicht durch Dritte vertreten

    Transsexuelle Menschen können für sich selbst und ihre Rechte eintreten. Es ist gegen die Würde des Menschen und eine Missachtung der Menschenrechte transsexueller Menschen wenn Dritte über die Rechte transsexueller Menschen entscheiden dürfen. Wir wollen keinen LSVD und keine so genannten „Experten“ und keine DGfS, die sich über uns stellen und entscheiden, was für uns gut sein soll. Das wissen wir selbst am besten!

Siehe auch:
Antidiskriminierung
Antidiskriminierungsgesetz
Begutachtung
Behandlungskritik
Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung
Diagnosefiktion
Diskriminierung
Entstehung des TSG
F64.0
Geschlechtsidentitätsstörung
Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen
Kritik an den Standards
Medizinkritik
Menschenrechte
Recht
Standards der Behandlung und Begutachtung
Transsexualität
transsexuell
Transsexuellengesetz
Transsexuellen-Politik
TSG-Novellierung

Autoren (Anzahl der Publ.):
Aktion Transsexualität und Menschenrecht e. V. (3)
Schicklang, Kim Anja (2)
Schieferdecker, Christina (2)
Becker, Sophinette (1)
Bosinski, Hartmut A. G. (1)
Clement, Ulrich (1)
Eicher, Wolf (1)
Goerlich, Thomas M. (1)
Hartmann, Uwe (1)
Kockott, Götz (1)
Langer, Dieter (1)
Preuss, Wilhelm F. (1)
Schmidt, Gunter (1)
Selmer, Anne (1)
Springer, Alfred (1)
Wille, Reinhard (1)

Weiterführende Publikationen:
Anne Selmer 2009
Das Geschlecht als Menschenrecht

Christina Schieferdecker et al. 2009
UN zu Transsexualität – Forderungen an die Bundesregierung

Aktion Transsexualität und Menschenrecht e. V. 2009
Pressemitteilung
UN-Komitee fordert mehr Rechte für transsexuelle Frauen in Deutschland

Kim Anja Schicklang 2009
Mehr Rechte für transsexuelle Frauen (UN)

Kim Anja Schicklang et al. 2008
7 Punkte für ein besseres TSG

Sophinette Becker et al. 1997
Standards der Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen
der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung, der Akademie für Sexualmedizin und der Gesellschaft für Sexualwissenschaft


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